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Nachgefragt bei Simon Revfi

In unserer neuen Kategorie „nachgefragt bei…“ interviewen wir Spieler, Trainer, Fans oder Freunde des FVE und stellen ihnen einige Fragen. Die Interviews verlaufen selbstverständlich kontaktlos via Mail und sozialer Medien.

Simon „Simme“ Revfi ist eine Weiermer Bub. In der Jugend zog es ihn nach Malsch. Dort sammelte er auch Erfahrung und Erfolge im Seniorenbereich. Nach einem kurzen Abstecher nach Nöttingen ist er nun seit 2009 wieder beim FVE. Hier prägt er seit seiner Rückkehr die erfolgreichste Zeit der Vereinshistorie wie kaum ein anderer. Lange Jahre als Führungsspieler auf dem Platz und seit Sommer 2018 zusätzlich als spielender Co-Trainer. Simme ist das Gesicht des letzten Jahrzehnts der ersten Mannschaft.

 

FVE: Hallo Simme, normalerweise verbringen wir die Wochenenden mit viel Fußball und sind vor allem auch häufig beim FVE auf dem Sportplatz. Wie verbringst du aktuell deine Wochenenden?

Simme: Tatsächlich verbringen wir in der Regel ja mindestens einen ganzen Tag am Wochenende beim FVE, da fiel die Umstellung von jetzt auf nachher darauf verzichten zu müssen anfangs gar nicht so leicht. Da meine Freundin und ich jedoch seit November einen kleinen wundervollen Sohn daheim haben, der genauso wie der Herr Papa keine Sekunde ruhig sitzen kann, vergehen die Wochenenden wie im Flug. Ansonsten machen wir das Beste daraus, gehen viel spazieren und versuchen die sozialen Kontakte so gut es geht aufrecht zu erhalten, in der Hoffnung, dass sich irgendwann wieder Normalität einstellt.

 

FVE: Aktuell kann ja kein regelmäßiges Mannschaftstraining stattfinden. Wie hältst dich daher aktuell fit?

Simme: Meine Trainerkollegen werden das nicht gerne hören, aber die ehrliche Antwort ist, dass ich tatsächlich recht wenig mache. Ich hab ein paar Mal Tennis gespielt und ansonsten beschränken sich meine sportlichen Aktivitäten aktuell auf „Ständigem-Kind-Rumtragen“, was für meinen Bizeps (der eh kaum vorhanden ist) zwar gut ist, für meine Kondition und körperliche Fitness aber leider keinen Mehrwert bringt.

 

FVE: Als Teil des Trainerteams der 1. Mannschaft bist du natürlich auch mit dem Thema Mannschaftstraining beschäftigt. Durch die Lockerungen der Regierung, wären vereinzelte Trainingseinheiten in kleinen Gruppen und mit großem Abstand möglich. Wie ist hier der aktuelle Stand beim FVE? Wird es in naher Zukunft wieder Trainingseinheiten bei uns auf dem Sportplatz geben?

Simme: Dieses Thema diskutieren wir aktuell gefühlt täglich. Es gibt hierbei viele Gründe, die für eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sprechen, aber auch genügend, die dagegensprechen. Wir haben vor (und das haben wir der Mannschaft auch intern so schon kommuniziert), dass wir freiwillige Trainingseinheiten anbieten werden. Wie und in welchem Umfang das dann tatsächlich stattfinden kann und vor allem sinnvoll ist, wird sich in naher Zukunft zeigen. Prio eins dabei ist und bleibt jedoch, vernünftig und vor allem verantwortungsbewusst mit der Situation umzugehen. Wir wollen und werden niemanden auch nur ansatzweise einem Risiko aussetzen und solang dies nicht zu 100% gewährleitet ist, werden wir auch nicht vorschnell handeln.

 

FVE: In den letzten Wochen wurde viel gemutmaßt wie es mit der aktuellen Saison im Amateurfußball weitergeht bzw. weitergehen soll, viele Möglichkeiten stehen im Raum, jetzt wurde sogar eine Lösung ausgesprochen, die auf einem Verbandstag endgültig entschieden werden, aber was wäre für dich die logischste Option?

Simme: Diese Diskussion ist für mich schon lange hinfällig, wir haben da sowieso kein Mitspracherecht und müssen wie immer akzeptieren, was entschieden wird. Diese Entscheidung zu treffen ist jedoch auch eine Aufgabe, die ich selbst nicht erfüllen wollen müsste. Egal wie diese letztendlich aussieht, man macht sich irgendwo Feinde und „die richtige“ Entscheidung kann es in so einer Situation auch nicht geben. Aus diesem Grund appellier ich an jeden, es so hinzunehmen, wie es letztendlich passieren wird und Verständnis zu zeigen. Wenn uns diese Situation eins gelehrt hat, dann wohl wie unwichtig der Fußball ist, wenn es um Menschenleben geht.

 

FVE: Viele Feste fallen der Corona-Krise zum Opfer und damit auch eine wichtige Einnahmequelle für viele Vereine in ganz Deutschland. Natürlich gehören hier auch Sportvereine und Fußballvereine dazu. Denkst du der Amateursport und das damit verbundene Vereinsleben wird sich durch die Corona-Krise aufgrund der finanziellen Einbußen verändern?

Simme: Das ist ein Thema, das mich – spätestens - nach den ganzen Spielergesprächen, die wir in letzter Zeit mit externen Spielern geführt haben, unglaublich auf die Palme bringt. Wenn man feststellen muss, dass es 99% der Spieler heutzutage ausschließlich darum geht, wo man einen Euro mehr verdienen kann und so Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Mannschaftsgefüge nichts mehr zählt, verliert man leider den Glauben an den Amateursport. Zur Erinnerung: wir spielen Landesliga, das ist gefühlt die 100. Liga in Deutschland und die Spieler denken alle Sie seien Weltstars und haben für Ihre doch so „enorme Qualität“ Geld verdient. Wenn ich dann zeitgleich zu hören bekomme, was andere Vereine in der Landesliga an Geld zahlen, da fällt mir einfach nichts mehr ein und genau das wird unseren Sport, den wir doch eigentlich alle so lieben, kaputt machen. Aus diesem Grund hoffe ich sogar, dass es durch die fehlenden Einnahmen in vielen Vereinen zu einem Umdenken kommt und endlich wieder die eigentlichen Werte des Amateursports in den Mittelpunkt rücken werden. Sollte dies nicht der Fall sein, gibt es für mich sicher in der AH auch tolle neue Herausforderungen ;)

 

FVE: Abschließend die wichtigste Frage: Was vermisst du aktuell am meisten beim bzw. am FVE?

Simme: Das ergibt sich durch meine kleine Wutrede in der Antwort zuvor eigentlich schon von alleine. Mir fehlt das zwischenmenschliche, mir fehlen die sozialen Kontakte, das Zusammensitzen, die Mannschaftssitzungen, die Gespräche mit den Spielern und Verantwortlichen und dann natürlich auch der Fußball an sich, die Emotionen, der körperliche Ausgleich zur Arbeit, die Siege und die Niederlagen, die Sonntage, an denen man nach dem Spiel gemeinsam auf der Treppe vorm Clubhaus in der Sonne sitzt und einfach gemeinsam lacht und n Bier trinkt. Letztendlich fehlen einem jedoch einfach die Menschen in der ganzen FVE Familie am meisten.


Datum: Sonntag, den 31.05.2020